Ein Anstieg unerwarteter Todesfälle bei Säuglingen und kleinen Kindern, für die eine sorgfältige Untersuchung post mortem keine ausreichende Ursache ergibt wurde seit etwa 1952 beobachtet und 1968 als Sudden Infant Death Syndrome (SID) definiert [1]. Derart ungeklärt wurde SID mit dem Code 798.0 in den ICSD (International Classification of Sleeping Disorders) sowie unter R95 in den ICD-10 aufgenommen und seitdem intensiv erforscht, ohne dass man sich aber auf eine Ursache einigen konnte [2].
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Im Jahre 1999 gab es in Deutschland 509 Fälle von plötzlichem Kindstod. Am häufigsten sterben Kinder bis zum Alter von fünf Monaten, die zu gut zugedeckt mit Anzeichen einer Überwärmung auf dem Bauch schlafen |
Einigkeit besteht über die SID-Risikofaktoren [3] (siehe nebenstehenden Kasten). In Zusammenhang mit Aufklärungsaktionen über deren Vermeidung ist die Zahl der plötzlichen Todesfälle in Deutschland von 1991 bis 1999 kontinuierlich von 1,55 auf 0,66 pro 1000 Lebendgeborene gesunken [4]. Weil die Präventionskampagnen in den Niederlanden, Dänemark, Norwegen und Australien aber wesentlich erfolgreicher waren (in den Niederlanden liegt die Sterblichkeitsrate beispielsweise bei 0,14 Promille), sprachen sich unsere Gesundheitsminister auf ihrer Konferenz im Juni 2001 in Bremen einstimmig für eine effektivere bundesweit abgestimmte Aufklärungskampagne aus [5].
Obwohl sich mit einer weiteren Aufklärung über die Risikofaktoren die Todesfälle noch vermindern ließen, könnte der Erfolg viel größer sein, wenn sich die Experten nicht nur über die Risikofaktoren, sondern auch über die Ursache des plötzlichen Säuglingstodes einig werden wollten. Bei den vorliegenden Erkenntnissen sollte ihnen das eigentlich nicht schwer fallen.
Die bemerkenswerte Tatsache, dass die medizinischen Wissenschaftler über den Grund dieser neuerdings so häufigen Todesursache so lange so erfolglos rätselten, führte die beiden forensischen Chemiker Dr. Tim Sprott in Neuseeland und Barry A. Richardson in England schon in den achtziger Jahren dazu, nach einer toxischen Ursache zu suchen. 1988 fand dann Richardson heraus, dass in den Matratzen der an SID verstorbenen Kinder toxische Gase entstehen und zwar die Wasserstoffverbindungen von Phosphor, Antimon und Arsen, Phosphin (PH3), Stibin (SbH3) und Arsin (AsH3). Ein Befund, der alle bekannten Risikofaktoren erklären kann.
Richardson untersuchte zunächst 50 Matratzen, auf denen 45 SID-Opfer geschlafen hatten, und fand in allen den Fungus Scopulariopsis brevicaulis jedoch nur da, wo die Kinder gelegen und die Stelle feucht und warm gehalten hatten. Inkubierte Proben des infizierten Materials generierten alle toxische Trihydridgase, allerdings das von ihm erwartete Arsin nur manchmal und nur in geringer Menge, in der Regel Stibin und Phosphin.
Die Gase sind sehr viel giftiger als Kohlenmonoxid (Grenzwerte in Großbritannien [6]: Kohlenmonoxid 100, Phosphin 0,3, Arsin 0,5, Stibin 0,1 ppm) und dabei schwerer als Luft (Phosphin 1,18fach, Arsin 2,71fach, Stibin 4,34fach, [7]). Antimon kam vor allem in England in Form von Antimontrioxid als Flammschutzmittel in die Matratzen, Phosphor aus Weichmachern, Arsen aus dem Biozid OBDA (10,10-Oxybisphenoxyarsin).
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