Who is Who der Ärzte | Hilfe

Preisverhandlungen über Ticagrelor: AstraZeneca ist "gespannt"

Am Montag starten in Berlin die ersten Preisverhandlungen nach den Vorgaben des schwarz-gelben Arzneigesetzes AMNOG. Es gilt als wichtigster Einschnitt angesichts immer höheren Milliardenkosten für Arzneimittel seit Jahren. Nun verhandelt der Spitzenverband der Krankenkassen mit AstraZeneca in vier Verhandlungsterminen bis Mai über den Erstattungspreis der Kassen für den neuen Blutverdünner Ticagrelor (Brilique), dem ein Umsatzpotenzial im dreistelligen Millionenbereich nachgesagt wird.



Unmittelbar vor den  Preisverhandlungen äußerte der Pharmakonzern AstraZeneca gespannte Erwartungen. "Das werden sehr intensive Gespräche werden", sagte Verhandlungsführer Claus Runge von der Geschäftsleitung der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. "Wir sind gespannt, was uns erwarten wird." Runge betonte die Offenheit des Verfahrens. "Es gibt keinen Algorithmus in der Preisfindung", sagte er, also keine eindeutige Vorschrift. "Wir haben kein Lineal, das wir anlegen können."

Laut dem neu geschaffenen Mechanismus sollen die Kassen nur für Mittel, die wirklich mehr bringen, auch mehr zahlen - wieviel, das wird ausgehandelt. Zuvor werden die Medikamente auf ihren Zusatznutzen gegenüber vergleichbaren Therapien geprüft. Bei Ticagrelor hatte der Gemeinsame Bundesausschuss festgestellt, dass das Mittel bei rund 80 Prozent der Patienten mit Akutem Koronarsyndrom einen zusätzlichen Nutzen gegenüber bisher gebräuchlichen Mitteln wie Clopidogrel hat. Er erwarte einen "fairen Preis", sagte Runge. Das Präparat sei eine echte Innovation. Für bestimmte Patienten war das Votum der Prüfer allerdings negativ ausgefallen.

Wie nun der Erstattungspreis im Einzelnen ermittelt werde, sei schwer vorhersehbar, sagte Runge. So werde erst im Februar geklärt werden können, welche Rolle die Vergleichspreise für das Mittel in anderen europäischen Ländern spielen. Hier hatte es im Vorfeld Streit zwischen Kassen und Pharmabranche gegeben. Es handele sich um eine neue Situation für beide Seiten, betonte Runge.

Pharmaverbände hatten davor gewarnt, dass das neue Verfahren die teure Entwicklung innovativer Medikamente hemmt. Kassen erwarten hingegen, dass der Druck hin zu echten Neuerungen steigt. Runge sagte: "Das Leben ist weder Schwarz noch Weiß." So müsse das neue Verfahren weder zwangsläufig ein Hemmnis für Innovationen sein. Noch sei ausgemacht, dass hilfreiche Neuerungen dadurch gefördert würden. Trotz auslaufender Patente auf Arzneimittel zeigte sich Runge insgesamt zuversichtlich. Sieben Neueinführungen seien bei AstraZeneca geplant, die meisten davon müssten sich dem neuen Verfahren stellen.



Weitere Artikel zum Thema:
G-BA bestätigt Zusatznutzen für Ticagrelor
AstraZeneca unzufrieden mit IQWiG-Bewertung zu Ticagrelor
Wirkung von AMNOG und Frühbewertung weiter umstritten

So, 22.01.2012 15:28 / dpa Druckversion Mail Zurück Weiter

Diesen Beitrag kommentieren

Kommentare im Hippokranet (insgesamt 0):

 

 

Mini-Umfrage
Sammeln Sie bei Ihren Patienten Unterschriften für die Petition gegen die Kassenbürokratie?
Ja
Nein
Würde ich gern, aber ich weiß nicht, wo man die Unterlagen bekommt
Ergebnisse... 
Empfehlungen  HeuteWocheMonat
Cons  HeuteWocheMonat
Leser-Test Medizintechnik
mehr Bewertungen

 

 

hippokranet.de facharzt.de hausarzt.de zaend.de