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Medikamentenabhängigkeit breitet sich aus

Der Konsum von so genannten „Alltagsdoping"-Mitteln nimmt in Deutschland spürbar zu. So gebe es nicht nur im Sport, sondern auch im Alltag eine wachsende Tendenz, Substanzen zur Leistungssteigerung, zum Kaschieren von Problemen sowie zur Steuerung der eigenen Befindlichkeit zu nehmen, sagte Renate Walter-Hamann vom Deutschen Caritasverband am Montag in Dresden im Vorfeld einer dreitägigen Fachtagung der Deutschen Hauptstelle für Suchtgefahren (DHS).

Zu den Präparaten zählten Diätprodukte, Appetitzügler, Vitamintabletten, Energy-Drinks und Johanniskrauttropfen ebenso wie Haarwuchs- und Potenzmittel. Sowohl Kindern als auch bei Jugendliche und Erwachsene sähen es zunehmend als selbstverständlich an, durch die selbst gesteuerte Einnahme solcher Mittel "den gesellschaftlichen Anforderungen und Vorstellungen gerecht zu werden", betonte Walter-Hamann.

Zugleich handle es sich für die Pharma-Industrie um einen wachsenden Markt mit einer "Produktpalette für verschiedene Lebenssituationen". Die Botschaft laute: "Es gibt für jedes Problem eine Pille." Die Werbung für rezeptfreie Mittel unterstütze diese Tendenz, indem sie die Harmlosigkeit der Selbstmedikation vorspiegle. Sie gebe vor, man könne mit der richtigen Pille "schön, glücklich, leistungsfähig und potent" werden. Auch der Konsum verschreibungspflichtiger Arzneien ist hoch.

So sind in Deutschland laut DHS schätzungsweise 1,4 bis 1,9 Millionen Menschen abhängig von Medikamenten, vor allem von Schlaf- und Beruhigungsmitteln. Die meisten der Abhängigen sind Frauen. Walter-Hamann verdeutlichte, mit den Substanzen, die heute zur Verfügung stünden, bestehe die Möglichkeit, "zu leben wie ein Junkie". Es sei davon auszugehen, dass Substanzen zu Angstabbau und Depressionsabwehr die Drogen der Zukunft sein werden. Zu der DHS-Tagung "Sucht und Lebensalter" werden bis Mittwoch rund 600 Teilnehmer in Dresden erwartet.

Di, 14.11.2006 16:14 / ddp Druckversion Mail Zurück

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